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Jüdischer Friedhof

Adresse: Bergstraße, 32361 Preußisch Oldendorf (von Preußisch Oldendorf kommend rechte Hand)


Der jüdische Friedhof in Preußisch Oldendorf ist das einzige und letzte Kulturerbe der früheren Synagogengemeinde Preußisch Oldendorf, deren Wurzeln bis in das Jahr 1677 zurückreichen. Die Eröffnung dieses Friedhofs erfolgte durch eine Genehmigung des preußischen Königs Friedrich des Großen vom 24. Oktober 1740. Auf diesen Friedhof liegen frühere jüdische Bürgerinnen und Bürger von Preußisch Oldendorf und Holzhausen.

Das heutige Gräberfeld umfasst eine Fläche von ca. 700 qm. Darauf stehen 58 Grabsteine bzw. Grabsteinreste mit ihren Grabinschriften und ihren Symbolen. Mit der Art ihrer Gestaltung geben sie Aufschluss über die Größe und den Umfang der früheren jüdischen Gemeinde, über ihre Bestattungsriten, über die Stellung der Jüdinnen und Juden in Preußisch Oldendorf und Umgebung, über ihren Glauben, über den Prozess der allmählichen Integration in die Gesellschaft dieser Region im 19. und 20. Jahrhundert und über das abrupte Ende dieses Prozesses mit dem existentiellen Ende der jüdischen Gemeinde während der Zeit des Nationalsozialismus.

Von den 58 Grabsteinen und Grabsteinresten sind 21 Steine in hebräischer Sprache beschriftet, 27 Steine in hebräisch und deutscher Sprache, ein Sockelstein mit einem zerstörten Davidstern ohne Beschriftung und 8 Grabsteine haben nur deutsche Inschriften.

Der älteste Grabstein stammt aus dem Jahr 1741/42. Die letzte Beerdigung (Henriette Goldschmidt) fand 1937 statt. Es gibt auf dem Friedhof eine ganze Reihe von sehr alten und „schönen“ Grabsteinen, was ihre Ästetik und ihre Kalligrafie angeht. 6 Grabsteine haben als Symbol „Segnende Hände“. Das ist sehr selten und hängt mit den beiden früheren jüdischen Familien Cahen  zusammen, denen es vorbehalten war, in den Synagogen-Gottesdiensten den „Priester“-Segen zu erteilen.

Über die Hälfte der Gräber stammt von den drei jüdischen Familien Cahen, Löwenstein und Ehrlich. Am monumentalsten wirkt die Familiengrabstätte von Levy Abraham Löwenstein, einem bekannten Preußisch Oldendorfer Kaufmann und Tuchhändler, der z.B. schon 1810 auf der Leipziger Messe mit einem Stand vertreten war.

Nach Lübbecke und Rahden war Preußisch Oldendorf in früheren Zeiten die drittgrößte Synagogengemeinde im Altkreis Lübbecke. Sie besaß schon sehr früh eine jüdische Schule (Erwerb des Grundstücks 1797) und eine Synagoge (Einweihung 1863), die auf dem Parkplatz des heutigen Hotels Deeke an der Mindener Straße gestanden haben.

Die jüdische Schule wurde 1938 wegen Baufälligkeit (noch vor der Progromnacht am 9.November) und die Synagoge Ende der fünfziger Jahre (nach 1957) abgebrochen, von dem es leider nur eine fotographische Rekonstruktion gibt.

Die letzte jüdische Familie Georg Ehrlich musste im Oktober 1938 Preußisch Oldendorf verlassen. Der einzige jüdische Bürger von Preußisch Oldendorf, der den Holocaust überlebte, war der Schlachter und Kaufmann Alfred Ehrlich, der ein erschütterndes Dokument über die Zeit von 1933-1945 hinterlassen hat: „12 Jahre nazistische Schreckensjahre“ (Typoskript im Stadtarchiv Preußisch Oldendorf). Im Rathaus ist hierzu eine Broschüre und ein 543-seitiges Buch von Dieter Besserer „Jüdisches Leben in der Stadt Preußisch Oldendorf“ erhältlich.


Jüdischer Friedhof
Jüdischer Friedhof

Lageplan des jüdischen Friedhofs

an der „Bergstraße", die von Preußisch Oldendorf aus in südlicher Richtung nach Börninghausen verläuft.

   

Auflistung der jüdischen Bestattungen mit Grabsteinen und Kurzbeschreibung nach dem Lageplan

 

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